Samstag, 5. April 2014

Freilassung für Frieden

Vergangenen Mittwoch wartete ich früh eine halbe Stunde auf den Bus
, der mich zur Uni bringen sollte. Wegen der Verspätung kam ich zu spät und somit fehlten mir einige Minuten in der Klausur, die geschrieben wurde. Verspätungen der Busse gibt es in diesen Tagen in Jerusalem häufiger, da der Amerikanische Außenminister Kerry regelmäßiger Gast ist. Wenn er den Besprechungen oder Verhandlungen im Rahmen der Friedensverhandlungen unterwegs ist, werden für ihn seinen Konvoi verschiedene Straßen kurzzeitig gesperrt. So sollte man immer ein paar Minuten zusätzlich auf den Straßen einplanen.

Ein anderes Bild, das ich in den letzten Tagen zu sehen bekam und der mit Kerrys Besuch unmittelbar zusammen hängt, ist ein kleiner Pavillion kurz vor dem Wohnhaus von Benjamin Netanjahu. Etliche Bilder von Menschen, die dem Terrorismus zum Opfer fielen sind an gespannten Stricken aufgehängt. Banner mit Aufschriften wie, “Lasst keine Terroristen frei!” und “Schämt euch!”, machen auf die Absichten der Demonstranten deutlich. Es geht um die aktuelle Forderung an Israel in den gegenwärtigen Friedensgesprächen, die Freilassung der letzten 26 von insgesamt 104 palästinensischen Häftlingen. Besondere Brisanz hat diese letzte Freilassung daher, dass es sich bei den Häftlingen nicht nur um Palästinenser aus der Westbank handelt, sondern auch einige von ihnen die israelische Staatsbürgerschaft haben und somit in israelisches Staatsgebiet entlassen würden.
Die Forderung der Freilassung war für Ende März datiert, doch der Protest scheint Wirkung gezeigt zu haben: Es kam bisher zu keiner Freilassung. Doch ist das nun das Ende der aktuellen Verhandlungen? Die Palästinensische Seite deutet es so. So hat im Gegenzug die Palästinenserführung bei der UN die Aufnahme von Palästina in 15 Organisationen der UN beantragt. Planen sie also die Staatsgründung an Israel vorbei durchzuführen? Und dies Mitten in noch laufenden Verhandlungen? Das Ergebnis daraus möchte ich mir nicht vorstellen.

Wie schön wäre es, wenn die Friedensverhandlungen endlich einmal Früchte tragen würden! Derzeit sieht es jedoch eher nach dem Ende der Verhandlungen aus. Keiner von beiden Seiten scheint ernsthaft interessiert. Doch die Frage, die mir bleibt, ist, ob die Haftentlassung von Terroristen wirklich ein Verhandlungspunkt sein darf. Wenn man von “Friedensverhandlungen” spricht, scheint es mir recht unlogisch, Terroristen, die mit ihren Taten nicht gerade für Frieden stehen, vorzeitig aus der Haft zu entlassen.

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