Samstag, 1. Dezember 2012

Die gescheiterte ägyptische Revolution

Mit großer Begeisterung wurde in vielen Medien über das Umstürzen von Diktaturen im Zuge des „Arabischen Frühlings“ im Jahr 2011 berichtet. Abertausende gingen auf die Straßen, um ihrer Unzufriedenheit mit den bestehenden Systemen Luft zu machen und es in einem Land nach dem anderen die bestehenden Machthaber zu stürzen.
In Syrien ist der Aufstand komplett ins Stocken geraten und die Revolution fordert fortdauernd ihre Toten. Aber gerade am großen Durcheinander innerhalb der syrischen Aufständischen zeigt sich, aus wie vielen kleinen Splittergruppen die Revolution sich speist und auch wie unterschiedlich ihre jeweiligen Interessen sind. Vielleicht wären sie sich in Friedenszeiten sogar gegenseitig befeindet, so schweißt sie der Widerstand gegen das Regime von Präsident Assad zusammen. Gemeinsam kämpfen sie Seite an Seite, bis der Platz des alten Machthabers frei wird. Aber die große Frage bleibt am Ende immer: Wer wird das entstandene Machtvakuum füllen? Wenn wir wieder zurück nach Ägypten schauen, ist dieser Schritt bereits vollzogen. Mohammed Mursi gewann im Mai durch eine Stichwahl gegen seinen Kontrahenten Ahmad Schafiq mit einer hauchdünnen Mehrheit und dies bei einer Wahl, die nicht als unumstritten gilt. Weitere Skandale folgen mit dem kürzlich erlassenen Dekret, mithilfe dessen Präsident Mursi die ägyptische Justiz entmachtet hat. Obendrauf kommt noch der kürzlich abgestimmte Verfassungsentwurf, der als Rechtsgrundlage die Scharia nutzt. Wenn man diese Entwicklung betrachtet, würde ein Blinder mit Κrückstock erkennen, dass Ägypten mit Höchsttempo in eine neue Diktatur rast. Man könnte sagen ein Diktator löst den anderen ab. Mit schwerwiegenden Folgen für die eigene Bevölkerung: Seit der Revolution 2011 haben ca. 100.000 Christen das Land verlassen. Die neue Verfassung wird nicht dazu beitragen, dass Christen und andere Minderheiten im Land eine Verbesserung darin, ihre Religion auszuleben, erlangen können. Auch viele andere Ursachen, die zum Regierungsumsturz Mubaraks führten scheint die neue Regierung nicht wirklich angehen zu wollen. Wo sind die neuen Arbeitsplätze für Jugendliche? Wo bleibt die Hinwendung zu mehr Demokratie und Freiheit für die Ägypter? Die meisten Ziele der Revolutionären werden mit Sicherheit nicht erreicht, wenn man die aktuellen Geschehnissen in Ägypten anschaut. Die nächste Diktatur ist im anbrechen und scheinbar auch nicht zu stoppen. Es bleibt nur, allen Oppositionellen in Ägypten zu wünschen, dass dies noch nicht das jähe Ende eines vielversprechenden Umbruchs ist, sondern trotz aller schlechter Anzeichen die sich anbahnende Diktatur sich nicht halten kann und ein Prozess der Demokratisierung des Landes in Gang kommt.

1 Kommentar:

  1. Ach, das waren noch Zeiten, wo wir bis auf ein paar mehr oder wenig seriösen Beduinen den Sinai bereisen konnten- am Softbeach chillen - St.Katarinen Kloster besuchen und unter freien Himmel übernachten. Bis auf ein paar komischen Grenzsoldaten zur Israelischen Grenze hin konnte man den Sinai wenigstens noch bereisen.

    Die ganzen Ägypter in Nuwaiba, die vom Israelischen Tourismus gelebt haben können nun irgendwo ein Arbeitslosen dasein verbringen - wie leider der großteil der Ägypter.

    Wollen wir hoffen, das Achmed unser Taxifahrer immer mal noch nen Touri zum rumfahren findet.

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