Dienstag, 15. Februar 2011

Muh


Was heißt Kuhstall auf ägyptisch? – Klar, Mubarak. Schade um des Witzes willen, dass es jetzt damit vorbei ist. Aber wie alles einmal ein Ende hat, hat auch die Ära Mubarak – und die war echt lang – ihres nun erlebt. Das Volk hatte die Nase gestrichen voll vom Gestank dieses Kuhstalls, der schon lange nicht mehr der Höhe der Zeit entspricht. Auf senile Diktatoren folgt Revolution, das bekam auch schon Altpionier Honecker zu spüren. Und die Ägypter haben sich darin echt als hartnäckig erwiesen: Sie ließen dem alten Herren keine andere Wahl, als den Präsidentenstuhl zu räumen. Das tat er schließlich auch, selbst wenn er sich dabei ziemlich tollpatschig angestellt hat. Aber letztendlich hat das Volk seinen Willen bekommen und kann sich auf eine bessere Zukunft freuen. Wer die Proteste allerdings von Anfang an verfolgt hatte, der sah auch des öfteren Steine fliegen – und zwar nicht zwischen Demonstranten und Polizei, sondern zwischen Demonstranten und anderen Demonstranten.
Wer hierin kein Volleyballspiel gesehen hatte – schließlich fehlte das Netz und die Wurfobjekte entsprachen in Größe und Gewicht nicht den internationalen Normen – der stellte sich sicher die Frage nach der gegnerischen Steinewerfer Partei. Unser Qualitätsmedien gaben da nicht immer die gesuchte Antwort darauf, oft wurden bloß die Regimegegner als Demonstranten genannt. Doch auch von Mubaraks Anhängern wurde die Straße in Beschlag genommen und scheinbar gibt es doch ein beträchtliche Anzahl von ihnen. Möglicherweise hatten diese Leute bereits eine gewisse Furcht vor dem was nach Mubarak kommen könnte. Und die kann durchaus berechtigt sein.
Einfacher für mich lässt sich die Situation aus außenpolitischer Sicht einschätzen. Der alte Ägypter war sicherlich nicht der allerklügste in internationalen Beziehungen, jedoch hatte er es hinbekommen, dass sein Land im Frieden mit Israel steht und gleichzeitig Mitglied der Arabischen Liga ist. In diesem Spannungsfeld ging Mubarak stets auf einem schmalen Grat und wie ich finde machte er dies recht geschickt. Verlässlichkeit ist in der internationalen Diplomatie einer der höchsten Werte und da konnte man auch auf ihn zählen – auch wenn es bei ihm nicht weit darüber hinaus gereicht hat. Ob nun die nächste ägyptische Regierung wenigstens ein ebenso zuverlässiger Partner für andere Staaten sein wird darf berechtigterweise angezweifelt werden. Es bleibt auch abzuwarten, ob die neue Regierung die größten Probleme im Land, wie Arbeitslosigkeit, Analphabetismus und Armut, einigermaßen in den Griff bekommt, bzw. überhaupt gewillt ist dies zu tun. Dem ägyptischen Volk wäre es zu wünschen, dass sich an diesen Stellen etwas ändert.
Das Ergebnis einer Revolution ist immer erst nach längerer Zeit im ganzen sichtbar. Der alte Mann ist erstmal weg, doch tritt an seine Stelle ein besserer oder ein üblerer? Bauen Islamisten anstelle des alten einen neuen Terror Kuhstall auf, oder führen Demokraten die ägyptischen Kühe auf freie Weiden? Demokratie hier ist eben nicht gleich Demokratie dort. Und manche demokratische Wahl bringt einen neuen Diktator hervor. Bleibt also abzuwarten was am Nil in nächster Zukunft gewählt wird und wo sich ägyptische Kühe am liebsten untergebracht wissen.

1 Kommentar:

  1. Ja, ist eine ziemliche Zwickmühle. Ich glaube auch nicht daran, dass man jetzt auf dem Weg zur Demokratie ist.
    Interessant auch, dass unsere Qualitätsmedien sich über die Politiker aufregen, aber auch nie von einem Diktator, sondern immer vom Präsidenten Mubarak sprachen. Das ist sowieso erbärmlich anzusehen wie die Medien versuchen die besseren Politiker zu sein und ihr Mäntelchen nach dem Wind hängen (siehe auch Stuttgart 21).

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