Freitag, 4. Juni 2010

Einblicke in das Gutmenschentum

Was wäre unsere Welt ohne die leidenschaftlich-engagierten Menschenrechtsaktivisten? Sie treffen sich zu Demonstrationen und stellen sich todesmutig gegen die Mächtigen dieser Welt, um die Anliegen des "Kleinen Mannes" auf den Tisch zu bringen. Sei es die Rettung unseres Klimas, das Verhindern der Globalisierung oder das Anprangern von Bushs Einmarsch in den Irak. Diese Woche ging es ihnen jedenfalls darum, den armen Palästinensern im Gazastreifen ihre Solidarität zu bekunden. Weil Bös-Israel keine Schiffe nach Gaza fahren lässt, rafften sich hunderte Gutmenschen auf, nahmen allen Mut zusammen und setzten die Segel gen Gaza.
Volle Kraft voraus, mit einer gehörigen Portion Humanismus an Bord, starteten sie aus dem Vorbildsland in Sachen Menschenrechte: Der Türkei (Der Leser wisse, dass Erdogans Staat ethnische und religiöse Minderheiten in seiner Mitte ganz herzlich willkommen heißt). Aber nicht nur Länder, die sich gegen Menschenrechtsverstöße stellen, sondern auch humanitäre Hilfsorganisationen unterstützten diesen Seeblockadebruch. Eine von ihnen ist die Hamas. Sie ist bereits am längsten um das Wohl der Palästinenser bemüht: Sie versorgt Gaza nicht nur um Nahrungsmittel und Medizin - auch Kassam-Raketen und Sprengstoffgürtel stehen bei ihr auf der Hilfsgüterliste. Man sieht also: Die Hamas versucht ganzheitliche Hilfe, auf allen Ebenen zu leisten. Die "Internationale Humanitäre Hilfsorganisation e.V." (IHH) ist in unserem Fall Rotkäppchens Mutter, die einen schönen Geschenkkorb für Gaza packte und auf sechs Schiffe verteilte. Doch der böse Wolf (Israel) schlug zu, bevor Rotkäppchen seine Oma überhaupt erreichte. Traurig für Rotkäppchen und den schönen Kuchen. Doch was machen unsere lieben Menschenrechtsaktivisten nach dieser Niederlage? Welche Aufgaben stehen an? Der Bürgerkrieg in Somalia, Massaker in Darfur, Zwangslager in Nordkorea und Ehrenmorde im Jemen scheinen jedenfalls nicht auf ihrer to-do-Liste (besser: to-help-Liste) zu stehen. Möglicherweise liegt es daran, dass die Verantwortlichen für diese Verbrechen selbst mit bei den Menschenrechtlern tätig sind. Und weiterhin glaube ich, dass es diesen Gutmenschen weniger um wirkliche Hilfe für Gaza ging, sondern vielmehr darum Israel wiedermal eins auszuwischen - das funktioniert ja mit solchen Aktionen immer am besten, siehe die Empörung in der ganzen Welt. Aber jetzt steht für die Menschenrechtler erstmal wieder Planen von neuen Aktionen an: Denn die Zeit bis zum nächsten Gipfel der großen Industrienationen oder zum 1.Mai ist noch lang. Schließlich will man ja wieder demonstrieren und Flagge zeigen und um dem Staat klarzumachen, dass man es mit den Menschenrechten auch wirklich ernst meint, auch mal einen Polizisten verprügeln. Liebe Menschenrechtler seid bitte kreativ! Ich freue mich schon auf eure nächste Aktion!

Doch jetzt mal ohne Sarkasmus: Warum toben die UN und so viele andere Staaten wiedermal so herum? Nach Italien kommen ständig Flüchtlingsschiffe aus Nordafrika, die von der italienischen Küstenwache gekapert werden. Wenn ein Schiff keine Rechte hat in den Hoheitgewässern eines Landes zu fahren, so gibts gar keine Frage, wie mit diesem umgegangen wird (Gaza ist israelisches Hoheitsgewässer, weil Gaza kein eigener Staat ist). Und im "US Commander’s Handbook on the Law of Naval Operations" (ein Gesetzbuch der USA, das u.a. auch das Recht in internationalen Gewässern umfasst) ist legitimiert, dass ein Schiff, welches die Absicht hat eine Seeblockade zu brechen bereits in internationalen Gewässer gekapert werden darf. Doch scheinbar haben die Sesselfurzer von der UN wiedermal mangelnde Realitätsnähe. Und an den friedlichen Absichten unserer lieben Menschenrechtsaktivisten lassen die israelischen Armeevideos stark zweifeln.

1 Kommentar:

  1. Wer Gesicht zeigen will, kann unter diesem Link eine Petition unterstützen, die den Ausschluss von Annette Groth und Inge Höger (beide Die Linke) aus dem Bundestag fordert:
    http://www.petitiononline.com/gaza10/petition.html

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